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Großer Klausurenkurs - Das Konzept

In der staatlichen Pflichtfachprüfung kommt der Fallbearbeitung unverändert großes Gewicht zu. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität zu Köln bietet daher seit nunmehr über 45 Jahren eine von der Vorlesungszeit unabhängige, ganzjährige Lehrveranstaltung zur Examensvorbereitung an, den Großen Klausurenkurs.

Im Großen Klausurenkurs werden ohne Ausnahme Original-Examensklausuren, die vom Justizprüfungsamt beim Oberlandesgericht Köln zur Verfügung gestellt werden, zur Anfertigung unter Examensbedingungen angeboten, korrigiert und besprochen. Zudem wird zu jedem Klausurfall am jeweiligen Besprechungstermin ein von den Mitarbeiter_innen des Großen Examens- und Klausurenkurses bzw. der Lehrstühle ausgearbeiteter ausführlicher, im Gutachtenstil schulmäßig aufgebauter, schriftlicher Lösungsvorschlag ausgegeben.

Verteilung und Ausgabe der Klausuren

Grundsätzlich werden wöchentlich zwei bis drei Klausuren, jeweils aus dem Gebiet des Zivilrechts, des Strafrechts und des Öffentlichen Rechts einschließlich der Nebengebiete angeboten. Entsprechend der Gewichtung im schriftlichen Examen werden insgesamt aber am meisten zivilrechtliche Klausuren und am wenigsten strafrechtliche Klausuren gestellt. An gesetzlichen Feiertagen und als absolute Ausnahme bleiben vereinzelte Wochenenden schreibfrei.

Ein bis zwei Klausursachverhalte werden freitags von 14:00 Uhr bis 14:15 Uhr zunächst vor Hörsaal XIII (Hauptgebäude) ausgelegt. Ab 14:15 Uhr erfolgt dann die Ausgabe nur noch im Eingangsbereich des Rechtswissenschaftlichen Seminars. Ein weiterer Sachverhalt wird samstags um 09:00 Uhr im Eingangsbereich des Rechtswissenschaftlichen Seminars ausgelegt. Die Sachverhalte werden zeitgleich über ILIAS zum Download bereitgestellt. Der Klausurwagen, in dessen Fächer die Rückgabe der Bearbeitungen zu erfolgen hat (s. Foto), befindet sich freitags ab 14:15 Uhr bis montags um 10:00 Uhr im Eingangsbereich des Rechtswissenschaftlichen Seminars.

Die genaue Verteilung der Klausuren auf die einzelnen Schreibtermine finden Sie PDF-Dokumenthier.

Korrektur mit Benotung oder Tendenzkorrektur

Bei der Korrektur der Bearbeitungen wird differenziert zwischen solchen Bearbeitungen, die unter Examensbedingungen angefertigt wurden, und solchen, die unter Außerachtlassung der zeitlichen Vorgaben und mit Hilfsmitteln erstellt wurden.

Eine Korrektur nach Examensmaßstäben (mit genauer Punktzahl) erhalten solche Teilnehmer_innen, die sich den realen Examensbedingungen ausgesetzt haben. Die Bearbeitungszeit beträgt abweichend von den Bedingungen der staatlichen Pflichtfachprüfung (vgl. § 13 Abs. 1 S. 1 JAG NRW) nur 4 ¾ Stunden. Durch diese Verkürzung werden die Teilnehmer_innen dazu angehalten, die vorgegebenen Fälle konzentriert und zügig durchzuarbeiten, um unter der besonderen Belastung im Examen nicht in Zeitnot zu geraten. Um eine Korrektur nach Examensmaßstäben zu erhalten, sind die Bearbeitungen bis spätestens 4 ¾ Stunden nach der Veröffentlichung der Schreibsachverhalte in das entsprechende Fach des vom Großen Examens- und Klausurenkurs bereitgestellten Wagens (s. auch Foto) einzulegen. Für eine Benotung mit genauer Punktzahl muss die Abgabe der Klausurbearbeitung am Freitag also bis 18:45 Uhr und am Samtag bis 13:45 Uhr erfolgen. Der Klausurwagen befindet sich bei Abgabe der Bearbeitung im Eingangsbereich des Rechtswissenschaftlichen Seminars.

Daneben besteht für Teilnehmer_innen, die sich den realen Examensbedingungen (noch) nicht aussetzen möchten, die Möglichkeit, sämtliche am jeweiligen Schreibwochenende angebotenen Klausuren über einen längeren Zeitraum – gegebenenfalls auch mit Hilfsmitteln – anzufertigen. Die Abgabe dieser Klausurbearbeitungen muss bis spätestens Montag um 10:00 Uhr erfolgen. Diese Bearbeitungen werden zwar nach denselben Maßstäben korrigiert und ebenso mit ausführlichen Randbemerkungen und Abschlussvermerken versehen. Sie erhalten jedoch keine Examensnote (keine genaue Punktzahl), sondern eine Tendenzbewertung:

  • Bearbeitung auf Prädikatsniveau (10-18 Punkte)
  • Durchschnittliche Bearbeitung (4-9 Punkte)
  • Bearbeitung, die durchschnittlichen Anforderungen nicht genügt (0-3 Punkte)

Die Korrektur erfolgt von Mitarbeiter_innen des Großen Examens- und Klausurenkurses, die alle das erste juristische Staatsexamen mit Prädikat bestanden haben. Die Klausuren werden stets mit ausführlichen Randbemerkungen und einem abschließenden Kommentar versehen. In Anbetracht des Zwecks des Großen Klausurenkurses, einen Aufschluss über den eigenen Leistungsstand im Hinblick auf das Examen zu erhalten, wird dabei ein möglichst realitätsgetreuer Maßstab angelegt. Die korrigierten Klausuren werden innerhalb von 3 1/2 Wochen nach dem Schreibtermin immer mittwochs zurückgegeben.

Rückgabe der Klausurbearbeitungen

Die korrigierten Klausurbearbeitungen liegen nach Rückgabe in den Rückgabefächern im Eingangsbereich des Rechtswissenschaftlichen Seminars zur Abholung bereit. Die Klausuren werden allerdings jeweils nur für drei Wochen aufbewahrt. Die Klausuren aus dem jeweiligen Rechtsgebiet werden in den drei übereinander liegenden Ausgabefächern wie folgt ausgelegt:

  • Unterstes Fach: Klausuren der aktuellen Rückgabewoche
  • Mittlereres Fach: Klausuren der letzten Rückgabewoche
  • Oberstes Fach: Klausuren der vorletzten Rückgabewoche

Die Klausuren der aktuellen Rückgabewoche befinden sich also nach einer Woche im mittleren Fach und nach zwei Wochen im obersten Fach. Nach drei Wochen stehen diese Klausuren dann nicht mehr zur Abholung bereit.

Lösungsvorschläge zu den Klausuren

Der von den Mitarbeiter_innen des Großen Examens- und Klausurenkurses bzw. der Lehrstühle der Fakultät zu dem jeweiligen Klausurfall ausgearbeitete Lösungsvorschlag stellt keine „Musterlösung“ dar, wie man sie vom/von einer Bearbeiter_in in der staatlichen Pflichtfachprüfung erwartet. Die ausformulierten Lösungsvorschläge sind im Interesse der Wiederholung und Vertiefung der Rechtsmaterie wesentlich ausführlicher gehalten und mit Rechtsprechungs- und Schrifttumsnachweisen versehen. Sinn der Lösungsvorschläge ist es, eine nachträgliche Überarbeitung des jeweiligen Rechtsgebietes zu erleichtern, Aufbauhinweise zu geben und die mündliche Besprechung vom Anspruch der Vollständigkeit zu befreien.

Klausurbesprechungen

Die im Rahmen des Großen Klausurenkurses gestellten Examensfälle werden überwiegend von Professor_innen und Lehrbeauftragten der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, die über eine jahre-, teils jahrzehntelange Prüfungserfahrung verfügen, sowie teilweise von Habilitand_innen im Rahmen einer zweistündigen Veranstaltung besprochen. Die Besprechungen dienen der Erörterung, Wiederholung und Vertiefung der relevanten Rechtsfragen des Klausurfalles. Darüber hinaus wird gezielt auf Aufbauprobleme und typische, immer wiederkehrende Fehler der Studierenden im Zusammenhang mit bestimmten Problemkreisen aufmerksam gemacht.